Die Geschichte
Camarón und die Geschichte des Tablaos
Wie aus einer Madrider Taverne 1960 ein Tablao wurde, warum der Flamenco von den Cafés auf die Bühnen wechselte und was die Quellen über die dort tätigen Künstler sagen.
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Die Tourismus-Website von Madrid berichtet, das Tablao sei 1960 in den Räumlichkeiten der La Taberna Gitana eröffnet worden, die aus dem Jahr 1949 stammte. Damit steht es am Beginn jenes Jahrzehnts, in dem sich die Tablaos über ganz Spanien verbreiteten. Wikipedia merkt an, dass sich die Tablaos in den 1960er-Jahren entwickelten und die Cafés cantantes ablösten. Ein Tablao verdankt seinen Namen dem spanischen Wort tablado, was Dielenbrett bedeutet; das Wort bezeichnet auch das erhöhte Podest, auf dem der Tänzer auftritt. Viele Tablaos servieren zudem Getränke, Tapas oder vollständige Mahlzeiten.
Was zuvor kam: das Café cantante
Das Café cantante war der wichtigste Flamenco-Schauplatz des 19. Jahrhunderts. Wikipedia zufolge eröffnete Silverio Franconetti 1881 in Sevilla das erste Café für Flamenco-Sänger. Der Wettbewerb zwischen den Cafés verhalf professionellen Sängern zum Durchbruch und prägte Technik und Repertoire dieser Kunst. Die Soleá etwa erlebte ihre Blütezeit im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, als das Café cantante die wichtigste Bühne war. Die Tablaos übernahmen diese Rolle in einem neuen Rahmen, und die Bühne mit den Tischen ringsum blieb bestehen.
Camaróns Jahre auf dieser Bühne
Camarón de la Isla wurde am 5. Dezember 1950 in San Fernando in der Provinz Cádiz geboren. Er ging nach Madrid und wurde 1968 festes Ensemblemitglied im Tablao Torres Bermejas, wo er zwölf Jahre blieb. Die Tourismus-Website von Madrid berichtet ebenfalls, dass er zwölf Jahre auf dieser Bühne auftrat. Er starb am 2. Juli 1992 in Badalona im Alter von 41 Jahren. Wikipedia schreibt seiner Partnerschaft mit Paco de Lucía zu, dem Flamenco einen kreativen Impuls verliehen zu haben.
Die Begegnung mit Paco de Lucía
Camarón lernte den Gitarristen Paco de Lucía im Torres Bermejas kennen, und die beiden arbeiteten fortan zusammen. Wikipedia zählt neun gemeinsame Alben zwischen 1969 und 1977 und berichtet von ausgedehnten Tourneen. Paco de Lucía aus Algeciras öffnete den Flamenco für brasilianische, arabische und Jazz-Einflüsse, und seine Aufnahme von Rodrigos Concierto de Aranjuez aus dem Jahr 1991 führte die Flamencogitarre in das Repertoire der klassischen Gitarre ein. Das Tablao ist auch deshalb in Erinnerung, weil diese Begegnung in seinen Räumen stattfand.
Weitere Namen auf dem Programm
Die Tourismus-Website von Madrid berichtet, Manolo Caracol habe im Februar 1962 sein Debüt in diesem Haus gegeben, und nennt José Mercé, La Chunga, El Güito, Fosforito, Mario Maya und Pansequito unter den Künstlern, die dort aufgetreten sind. Sie schreibt außerdem, das Tablao sei bei vielen Künstlern als die Kathedrale des Flamenco bekannt. Betrachten Sie die Liste als die Geschichte dieses Hauses, denn das Cuadro an Ihrem Abend ist das, was der Veranstalter ansetzt, und die Künstler wechseln mit dem Programm.
Auf dem Bildschirm
Dieselbe Seite verrät, dass der Ort als Drehort für den Film Camarón und für die Fernsehserie El tiempo entre costuras diente. Wenn Ihnen der Raum irgendwie bekannt vorkommt, dann deshalb. Das bedeutet zugleich, dass dieser Raum eine Geschichte hat, die über die Bühne hinausreicht: Hier wurde nicht nur Flamenco aufgeführt, sondern auch von ihm erzählt. Das Tablao ist Teil dessen, wie Madrid diese Kunst in Erinnerung hält – und diese Erinnerung gehört zu dem, was Sie an den Wänden sehen.
Eine lebendige Tradition
Im Jahr 2010 nahm die UNESCO den Flamenco in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf und betont, dass er über Dynastien, Familien, soziale Gruppen und Flamenco-Clubs weitergegeben wird. Eine Tablao-Show ist ein Ort, an dem diese Tradition auf Besucher trifft. Der Veranstalter gibt an, dass sich das Programm im Laufe der Saison ändert – genau das passt zu einer Kunst, die von improvisierter Variation innerhalb eines festen Rhythmus lebt, sodass kein Abend dem anderen gleicht.
Quellen